Home
Notar a.D. Dr. Peter Veit

Testament

Brauche ich eigentlich ein Testament?

Wer das beantworten will, muss zuerst einmal die gesetzliche Erbfolge kennen.

Gesetzliche Erben: Zunächst kommen die Verwandten

Gesetzlich erbberechtigt sind in erster Linie die Verwandten. Verwandt sind alle Personen, die voneinander oder von ein und derselben dritten Person abstammen. Verwandtschaft entsteht aber auch durch Adoption. Nur der bei der heutigen Adoption noch Minderjährige steht allerdings in jeder Hinsicht einem leiblichen Kind gleich. Die bloße Namenserteilung lässt kein Verwandtschaftsverhältnis entstehen. Verschwägerte Personen wie z.B. Schwiegerkinder sind ebenfalls nicht erbberechtigt.

Erbfolge nach Ordnungen

Die vielen als Erben in Betracht kommenden Verwandten unterteilt das Gesetz weiter in verschiedene Ordnungen. Eine Ordnung bilden alle diejenigen Personen, die vom Verstorbenen selbst bzw. von Voreltern derselben Stufe des Verstorbenen - also Eltern, Großeltern, Urgroßeltern usw. - abstammen. Aus der Sicht des Verstorbenen sieht das dann so aus:

Die niedrigere Ordnung hat in der Erbfolge den Vorrang und schließt alle höheren aus. Hinterlässt der Erblasser zum Beispiel ein Kind oder einen Enkel (erste Ordnung), so kommen die Eltern und die Geschwister (2. Ordnung) nicht mehr zum Zuge.

Erbrecht nach Stämmen

Die Verwandten der ersten Ordnung unterteilt das Gesetz weiter in verschiedene Stämme. Einen Stamm bilden all diejenigen Abkömmlinge, die durch ein und denselben Abkömmling mit dem Verstorbenen verwandt sind. Hinterlässt der Erblasser beispielsweise drei Kinder A, B und C, von denen jedes wiederum ein oder mehrere Kinder besitzt, so bilden A, B und C jeweils mit ihren Kindern drei Stämme.

Innerhalb der Stämme gilt das Repräsentationsprinzip. Der mit dem Verstorbenen am nächsten verwandte Angehörige eines jeden Stamms schließt alle weiter entfernten Angehörigen dieses Stamms aus. Im vorigen Beispiel erben also nur A, B und C selbst, sie "repräsentieren" jeweils ihre Kinder.

Das Erbe teilt sich gleichmäßig auf die Stämme auf. Keine Rolle spielt es, wie viele Personen dem Stamm insgesamt angehören. Leben beim Erbfall also noch alle Kinder A, B und C, erben sie je 1/3. Ist A verstorben, leben aber seine beiden Kinder noch, erben B und C je 1/3 und die Kinder des A je 1/6.

Die Erbteile der Eltern

Die zweite Erbfolgeordnung bilden die Eltern des Erblassers mit ihren Abkömmlingen. Leben die Eltern beide, so erben sie allein und zu gleichen Teilen. Ist ein Elternteil vorverstorben, so geht dessen Hälfte auf seine Abkömmlinge über. Hinterlässt der vorverstorbene Elternteil keine Abkömmlinge, so erbt der andere Elternteil allein.

Und wo bleibt eigentlich der Ehepartner?

Für das gesetzliche Erbrecht des überlebenden Ehepartners kommt es darauf an, welche Verwandten mit ihm um das Erbe konkurrieren. Neben Verwandten der ersten Ordnung (Abkömmlingen) erbt der Ehepartner zunächst einmal ein bescheidenes Viertel. Neben Verwandten der zweiten Ordnung (Eltern und deren Abkömmlingen) oder Großeltern bekommt er die Hälfte. Die Erbteile der Verwandten reduzieren sich entsprechend.

Beispiel: M stirbt und hinterlässt die Ehefrau F und die drei Kinder A, B und C. Nach den Grundsätzen der Verwandtenerbfolge würden A, B und C je 1/3 erben. Nun kommt F mit 1/4 Erbteil hinzu. Damit reduzieren sich die Anteile der Kinder auf je 1/4.

Nur wenn weder Verwandte der ersten noch zweiten Ordnung noch Großeltern vorhanden sind, erbt der Ehepartner ausnahmsweise einmal allein!

Erbteilserhöhung im gesetzlichen Güterstand

Der Erbteil des Ehepartners kann sich, abhängig vom Güterstand der Eheleute, allerdings noch erhöhen. Haben sie keinen notariellen Ehevertrag geschlossen, so leben sie im gesetzlichen Güterstand. Dieser wird vom Gesetz auch "Zugewinngemeinschaft" genannt.

Im Scheidungsfall wird ermittelt, mit welchem Vermögen jeder Ehepartner in die Ehe gegangen ist. Dem wird das bei der Scheidung vorhandene Endvermögen gegenübergestellt. Die Differenz - Endvermögen minus Anfangsvermögen - ergibt den Zugewinn eines jeden Ehegatten. Der Partner mit dem höheren Zugewinn muss dem anderen eine Herauszahlung in Geld leisten: Die halbe Zugewinndifferenz. Das ist der "Zugewinnausgleich", der dem Güterstand den Namen gegeben hat.

Einen Ausgleich sieht das Gesetz aber auch bei Beendigung der Ehe durch Tod eines Partners vor. Er wird dadurch "verwirklicht", dass das Gesetz den Erbteil des überlebenden Ehepartners pauschal um ein Viertel erhöht. Keine Rolle spielt grundsätzlich, ob überhaupt ein Zugewinnunterschied bestand, wer den höheren Zugewinn hatte und wie hoch die Zugewinndifferenz war. Sehr folgerichtig ist dieses Konzept also nicht gerade.

Zurück zum obigen Beispiel: Lebten M und F in Zugewinngemeinschaft, erbt F im Endergebnis 1/2, für die Kinder A, B und C bleibt je 1/6 übrig.

Geringe Erbteile bei Gütertrennung und Gütergemeinschaft

In Gütergemeinschaft gibt es keinerlei Erbteilserhöhung. Bei Gütertrennung kommt es darauf an, ob und ggfls. wie viele erbberechtigte Kinder vorhanden sind. Ab drei Kindern gibt es keine Erbteilserhöhung mehr.

Ein spezielles Kapitel: Die Erbengemeinschaft

Ohne Testament wird es also meist mehrere Erben geben. Die Erbengemeinschaft ist eine "Gesamthandsgemeinschaft". Das klingt nicht nur kompliziert, sondern ist es auch: Kein Miterbe kann über seinen Anteil an den einzelnen Nachlassgegenständen verfügen. Der Nachlass wird grundsätzlich gemeinschaftlich verwaltet. Dabei gilt das Einstimmigkeitsprinzip.

Man kann sich die Erbengemeinschaft als besondere Busreisegruppe vorstellen: Einen Bus, in dem es nicht einen Fahrer gibt, sondern jeder sein eigenes Lenkrad, sein eigenes Gaspedal und eine eigene Bremse hat. Das endet mitunter im Straßengaben.

Wann ein Testament erforderlich ist

Nicht nur, wer andere Personen als die gesetzlichen Erben bedenken, die Erbteile abweichend festlegen oder einer gemeinnützigen Organisation etwas zukommen lassen will, muss ein Testament errichten. Das Testament kann auch dazu dienen, das Entstehen einer problematischen Erbengemeinschaft zu verhindern. Durch Anordnung einer Testamentsvollstreckung kann die Abwicklung des Nachlasses und die Nachlassverteilung in zuverlässige Hände gelegt und Streit vermieden werden.

Wenn Sie Einzelgegenstände bestimmten Personen zukommen lassen wollen, müssen Sie geeignete Vermächtnisse oder eine Teilungsanordnung vorsehen. So können Sie beispielsweise regeln, dass die Tochter das Haus übernimmt und der Sohn einen Ausgleich in Geld bekommt.

Schwierigere Fälle - aber nicht hoffnungslos!

Ein Geschiedener kann dafür sorgen, dass seine Kinder aus der gescheiterten Ehe seine Erben werden, der "Ex" den Nachlass aber nicht verwaltet und im Todesfall eines Kindes auch nicht dessen gesetzlicher Erbe wird. Denn durch Vor- und Nacherbschaft können Sie selbst bestimmen, wer nach dem Tod Ihres "Haupterben" den dann noch vorbliebenen Nachlass übernimmt. Mit Hilfe einer Kombination aus Vor- und Nacherbschaft und Anordnung der Testamentsvollstreckung können Sie ein behindertes Kind oder den überschuldeten Ehepartner absichern. Dann können das Sozialamt oder die Gläubiger nicht auf das Vermögen zugreifen. Sie befürchten, dass nach Ihrem Ableben Pflichtteilsansprüche z.B. nichtehelicher Kinder erhoben werden? Auch sie lassen sich durch geschickte Gestaltungen oftmals deutlich reduzieren oder gar beseitigen. Gern bespreche ich mögliche Lösungen im Detail mit Ihnen.

Das Testament ist keine Frage des Alters

Entgegen landläufiger Meinung: Ob Sie ein Testament brauchen, hängt nicht im geringsten von Ihrem Alter ab. Für den verwitweten Neunzigjährigen mit einem Kind, das ohnehin alles bekommen soll, hat das Gesetz im Prinzip ausreichend vorgesorgt. Der Dreißigjährige, der mit seiner Frau und den minderjährigen Kindern gerade ins neu erstandene Haus gezogen ist, sollte sich aber durchaus Gedanken über die Absicherung seiner Frau machen. Denn als gesetzliche Miterbin könnte sie das Haus ohne die Bestellung eines Pflegers und die Zustimmung des Familiengerichts nicht verkaufen und noch nicht einmal belasten. Und auch Dreißigjährige haben Verkehrsunfälle und erleiden Herzinfarkte.

Wenn Sie ein Testament errichten möchten: Die Qual der (Form-) Wahl

Sie wollen ein Testament errichten: Dann gilt es die gesetzlichen Formvorschriften zu beachten. Grundsätzlich haben Sie zwei Alternativen: Das eigenhändige (private) und das notarielle Testament.

Das eigenhändige Testament

Beim eigenhändigen Testament ist die gesamte Niederschrift eigenhändig zu schreiben. Ein Führen der Hand durch einen Dritten ist unzulässig. Benutzung der Schreibmaschine oder des PC führt zur Nichtigkeit.

Das Testament muss zum Ausdruck bringen, dass eine letztwillige Verfügung getroffen werden soll, auch wenn die Bezeichnung als "Testament" nicht unbedingt erforderlich ist. Es muss unterschrieben werden, möglichst mit Vor- und Familiennamen. Die Unterschrift muss die Verfügung abschließen, also grundsätzlich räumlich an deren Ende stehen. Zeit und Ort der Errichtung sollen ebenfalls angegeben werden.

Eine Sonderform stellt das gemeinschaftliche Testament dar. Es ist nur Ehegatten und eingetragenen gleichgeschlechtlichen Lebenspartnern gestattet. Hier genügt die eigenhändige Verfassung durch einen Partner; freilich muss der andere ebenfalls unterschreiben.

Im gemeinschaftlichen Testament können die Beteiligten eine wechselseitige Bindung an ihre Verfügungen eingehen. Dann ist zu Lebzeiten beider ein einseitiger Widerruf nur noch in notarieller Form zulässig. Nach dem Tod des Erstversterbenden besteht grundsätzlich keine Änderungsmöglichkeit mehr.

Das notarielle Testament

Wenn Sie Ihr Testament notariell verfassen möchten, werde ich mir zunächst in einem Vorgespräch ein Bild von Ihren persönlichen und vermögensmäßigen Verhältnissen verschaffen. Wir werden Ihre Wünsche und Gestaltungsziele besprechen und nach geeigneten Möglichkeiten suchen, sie einfach und wirkungsvoll umzusetzen. Auf dieser Grundlage werde ich einen Entwurf erstellen. Wenn Sie möchten, sende ich Ihnen den Entwurf zur Vorbereitung auf den Beurkundungstermin gern vorab zu.

Im zweiten Termin zur eigentlichen Beurkundung gehen wir den Entwurf dann in allen Details miteinander durch. Ich werde Ihnen die Urkunde vorlesen und Ihre offen gebliebenen Fragen beantworten. Nach Vornahme aller erforderlichen Änderungen oder Ergänzungen werden wir die Urkunde gemeinsam unterzeichnen. Die fertige Niederschrift gebe ich in die amtliche Verwahrung des Nachlassgerichts. Zudem registriere ich sie im zentralen elektronischen Testamentsregister der Bundesnotarkammer. Damit ist sichergestellt, dass sie im Ernstfall nicht übersehen wird - auch wenn sonst niemand von ihr wissen sollte!

In einfach gelagerten Fällen und wenn keine Unterlagen beschafft werden müssen, können Besprechung und Beurkundung natürlich auch ein einem einzigen Termin erfolgen.

Privates oder notarielles Testament - was ist denn besser?

Statt vieler Worte möchte ich ein Beispiel geben: Eheleute haben die beiden Kinder Anton und Beate. Sie errichten privatschriftlich folgendes gemeinsames Testament:

"Wir setzen uns gegenseitig zu Erben ein. Erben des Längstlebenden sind unsere Kinder Anton und Beate je zur Hälfte."

Das ist das weithin bekannte "Berliner Testament". Und auf den ersten Blick scheint alles einwandfrei geregelt zu sein. Was soll man auch bei einer so einfachen Verfügung überhaupt falsch machen können? Doch lassen Sie uns die Geschichte weiterspinnen:

Der Ehemann verstirbt. Sohn Anton benötigt für seinen aufwändigen Lebenswandel Geld und verlangt von der Mutter den Pflichtteil. Zur Finanzierung muss das zuletzt schuldenfreie Haus belastet werden. Die Tochter Beate pflegt über lange Jahre die zunehmend gebrechlichere Mutter, um ihr die Aufnahme in ein Heim zu ersparen. Anton kümmert sich um nichts mehr. Die Mutter möchte ein neues Testament errichten und Beate aus Dankbarkeit zur Alleinerbin des restlichen Vermögens einsetzen.

Das gemeinschaftliche Testament kann eine Bindungswirkung zugunsten des Sohnes entfalten. Sie bestünde zunächst dann, wenn alle Verfügungen ausdrücklich als "wechselbezüglich" bezeichnet wären. Sie kann aufgrund gesetzlicher Vermutungsregelungen aber auch dann bestehen, wenn das Testament zu dieser Frage keinerlei Regelungen trifft. Im Beispielsfall ist die Erbeinsetzung des Anton durch die Mutter deshalb bindend, weil Anton mit dem Mann verwandt war und im Zweifel vermutet wird, dass der Mann die Frau nicht zu seiner Alleinerbin eingesetzt hätte, wenn die Frau nicht ihrerseits zugunsten dessen Kindes Anton verfügt hätte. Die Einsetzung des Anton kann deshalb nach dem Tod des Mannes von der Frau nicht mehr geändert werden!

Als Notar hätte ich die Eltern auf diese Bindungswirkung hingewiesen und mit ihnen besprochen, ob sie eine Bindung überhaupt wünschen und wie weit sie gegebenenfalls reichen soll. Eine empfehlenswerte Lösung hätte z.B. in der Aufnahme eines Änderungsvorbehalts für den längstlebenden Elternteil im Kreis der gemeinsamen Abkömmlinge bestanden.

Die Notargebühren gibt es beim Erbfall quasi zurück

Die Notargebühren - einziger Nachteil der notariellen Verfügung - richten sich regelmäßig nach dem Reinvermögen des Erblassers. Im Abschnitt über die Notarkosten finden Sie nähere Informationen.

Übrigens: Die Notarkosten sind grundsätzlich bundeseinheitlich überall gleich hoch. Insbesondere macht es keinen Unterschied, ob die Beurkundung von einem Anwaltsnotar, etwa aus dem benachbarten Hessen, oder von mir als selbstständigen Notar im Hauptberuf vorgenommen wird.

Und ebenfalls wichtig zu wissen: Wer aufgrund Gesetzes oder privaten Testaments erbt, benötigt zum Nachweis seines Erbrechts meist einen Erbschein. Dieser Erbschein ist obligatorisch, wenn ein öffentliches Register wie das Grundbuch oder das Handelsregister entsprechend der Erbfolge zu berichtigen ist. Banken verlangen zur Verfügung über Guthaben oder Wertpapiere grundsätzlich ebenfalls die Vorlage eines Erbscheins; entsprechendes gilt bei Versicherungen.

Eine notarielle Verfügung von Todes wegen ersetzt normalerweise den Erbschein und spart den Erben die damit verbundenen relativ hohen Kosten. Der Erbschein kostet doppelt so viel, wie ein notarielles Testament gekostet hätte! Von daher kommt die rechtzeitige Errichtung einer notariellen Verfügung oft deutlich billiger als das Zuwarten oder das Ausweichen auf das nur vermeintlich kostenlose private Testament. Auch das Testament beim Anwalt kann die Erbscheinskosten nicht sparen.

Sie brauchen noch mehr Infos?

Im Downloadbereich können Sie kostenlos meine umfangreiche Broschüre rund um Testament und Vorsorgevollmacht herunterladen. Darin stelle ich auch die Grundzüge der Erbschaftsteuer dar und gebe einige Tipps, wie sich Erbschaftssteuer sparen lässt.